APL   

Newszurück

Der persönliche Assistent weiß alles


BMW Connected: Sent to Car.
Foto: BMW, Sent to Car

Von Axel F. Busse

ampnet – 15. August 2016. „Vermehrung durch Weglassen“ ließe sich das Thema überschreiben, mit dem die Bayerischen Motorenwerke die Tür zu neuen digitalen Welten im Auto aufstoßen: Aus „BMW Connected Drive“, was Kunden schon seit Jahren als Sonderausstattung für ihren Bayern ordern können, wird „BMW Connected“, Starttermin in 17 europäischen Ländern ist dieser Monat.

Seit März dieses Jahres läuft bereits eine Versuchsphase in den USA mit der ersten Version, die vom Nutzer als App auf sein Smartphone heruntergeladen wird. Allerdings kommen zunächst nur die Besitzer eines Apple-iPhones in den Genuss dieses Angebots. Das schließt die große Mehrheit der Smartphone- und Tablet-Anwender auf dem Globus und damit auch eine nicht unbeträchtliche Anzahl BMW-Fahrer vorerst aus. An der Einbindung des Android-Systems, das einen Marktanteil von rund 80 Prozent hat, wird aber schon gearbeitet. Ziel ist es, das Auto zu einer Art „persönlichen Assistenten werden zu lassen, in der bisher getrennte digitale Erlebniswelten auf neuartige Weise vernetzen sollen.

Was „Connected Drive“ bisher leistete, zum Beispiel Online-Consierge-Service oder Echtzeit-Verkehrsinformationen, bleibt natürlich erhalten, doch der Zusatznutzen geht weit über das Thema Fahren hinaus. Dieter May, in der BMW-Gruppe verantwortlich für digitale Dienstleistungen, erklärt das so: „Das Fahrzeug wird zum Smart Device; intelligent vernetzt, nahtlos eingebunden und perfekt abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse jedes Nutzers.“

Und das kann die neue App: Sie sammelt selbstständig mobilitätsrelevante Informationen wie etwa Adressen und Ankunftszeiten aus Kalendereinträgen und informiert – basierend auf Echtzeit-Verkehrsinformationen – über die optimale Abfahrtszeit. So kann der Nutzer pünktlich und ohne Stau-Überraschungen am Zielort einzutreffen. Ebenso ist BMW Connected dabei behilflich, Orte und spezielle „Points of Interest“ aus anderen Apps zu übernehmen, mit der gewünschten Ankunftszeit als Ziel zu hinterlegen und nahtlos mit wenigen Klicks in das Navigationssystem eines BMW-Fahrzeugs zu übernehmen.

Für die Hybrid- und i-Modelle des bayerischen Herstellers gibt es einen weiteren Nutzen: Vor dem Fahrtbeginn können relevante Daten wie Reichweite oder Akkuladestand außerhalb des Fahrzeugs abgelesen und in die Reiseplanung mit einbezogen werden. An der Weiterentwicklung der Fähigkeiten sind auch die Kunden selbst beteiligt. Während der Testphase in den Vereinigten Staaten werden verschiedene digitale Kanäle für die Interaktion zwischen Kunden und Hersteller genutzt. So können Erfahrungen der Nutzer ausgewertet werden und in die Optimierung einfließen, jeder Fünfte, so heißt es von BMW, nimmt die Möglichkeit des Feedbacks wahr.

„Es steht nicht mehr das Fahrzeug und seine technische Anbindung an Online-Dienste im Mittelpunkt“, erklärt Dieter May, „sondern der Kunde mit seinen Bedürfnissen. Es geht um seine digitale Erlebniswelt und die Chance, das Zuhause oder im Büro Bedeutsame auch im Auto ohne Einschränkung anwenden zu können“. Deshalb spielt die Personalisierung der Anwendungen eine große Rolle. Auf der für diesen Zweck kreierten „Open Mobility Cloud“ wird ein individuelles Konto geführt, beim Einsteigen „weiß“ das Auto schon, wer fahren wird. Das Anmeldeprofil sagt es ihm. Wurden die Zieldaten wie Adresse und gewünschte Ankunftszeit bereits außerhalb des Fahrzeugs über BMW Connected festgelegt, übernimmt der Wagen diese automatisch aus dem iPhone und speist sie in die Routenplanung ein. Nach Fahrtbeginn ist es darüber hinaus möglich, eine aktualisierte Ankunftszeit aus dem Fahrzeug heraus mit einer vorformulierten SMS an ausgewählte Kontakte, etwa die Teilnehmer eines Meetings, zu senden, wenn unvorhergesehene Ereignisse die Fahrt verzögern sollten.

Wer sich auf BMW Connected einlässt, fährt folglich nicht mehr anonym von A nach B. „Die Daten sind genauso sicher, wie sie es vorher waren“, versprach Thom Brenner, Leiter Digital Services bei BMW, bei der Präsentation der neuen Dienste in München. Mancher wird sich vermutlich wünschen, dass sie sicherer wären als in der Vergangenheit, denn wer sich an das Frühjahr 2015 erinnert, könnte skeptisch werden. Damals kam heraus, dass eine Sicherheitslücke in den Funktionen von Connected Drive bestand. Mobilfunk-Experten des ADAC waren zufällig darauf gestoßen, dass die Steuergeräte von mehr als zwei Millionen BMW relativ simpel gehackt und zum Beispiel die Fahrzeugsverriegelung außer Kraft gesetzt werden konnte.

Inzwischen ist per Update eine zusätzliche Verschlüsselung aktiviert und das Leck geschlossen. Fälle, wonach durch das Malheur unberechtigte Zugriffe auf BMW-Fahrzeuge stattgefunden hätten, wurden nicht bekannt. Doch: „Der technische Aufwand, um das Auto mit diesem Wissen zu öffnen, war überschaubar“, sagt ein ADAC-Experte. Die Menge der sensiblen Daten, die sicher verwahrt werden müssen, wird mit BMW Connected erheblich größer. Wer wann wohin fährt, sich mit wem trifft oder welchen Weg zum Ziel nimmt, könnten für fragwürdige Zeitgenossen durchaus werthaltige Informationen sein. Doch wer ganz sichergehen will, dem bleibt immer noch die Freiheit, sein Telefon abzuschalten.

Was künftige Leistungen angeht, sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt. „Was fangen die Insassen eines autonom fahrenden BMWs künftig mit der gewonnen Freiheit an, wenn der Verkehr keine Aufmerksamkeit mehr erfordert?“ lautet eine Fragestellung, die in der Verfügbarkeit von Streamingdiensten, Online-Spielen oder im Chatten mit Freunden rund um den Globus münden könnten. (ampnet/afb)

jetzt BMW Neuwagen berechnen